Bayer Aktie 10367293 / DE000BAY0017
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04.08.2026 17:56:00
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Bayer-Aktie zieht deutlich an: Gewinn überrascht positiv - Agrarsparte liefert starkes Quartal
Bayer hat dank guter Agrargeschäfte und Kostensenkungen die Erwartungen im zweiten Quartal übertroffen.
Letztlich stieg der Aktienkurs via XETRA um 2,4 Prozent auf 48,25 Euro. Nach dem jüngsten Rücksetzer vom Kurssprung Ende Juni legten die Papiere damit wieder zu. Ende Juni hatte ein Erfolg vor dem obersten US-Gericht in den Streitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosatbasierter Unkrautvernichter eine Rally ausgelöst.
Der US Supreme Court hatte entschieden, dass Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden kann. Das Oberste Gericht berief sich dabei darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien - damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen auf Basis angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen worden sein.
Bayer-Chef Bill Anderson trieb die angestrebte Lösung des Glyphosat-Themas auch anderweitig voran. Am 19. August steht hierzu eine Anhörung für eine mögliche endgültige Genehmigung eines Anfang des Jahres angekündigten Sammelvergleichs zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup in den USA an. Die Entscheidung des Richters wird im weiteren Jahresverlauf erwartet. Im Rahmen dieses Vergleichs wird Bayer bis zu 21 Jahre lang abnehmende, gedeckelte jährliche Zahlungen in Höhe von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leisten.
Und auch im Tagesgeschäft lief es zuletzt besser. In den drei Monaten bis Ende Juni stieg der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang erwartet.
Dabei steigerte die Agrarsparte Crop Science bei einem moderaten Umsatzwachstum ihren operativen Gewinn um fast ein Drittel auf 902 Millionen Euro, wobei auch niedrigere Herstellungskosten durch Effizienzprogramme halfen. Zudem profitierte der Dax -Konzern von Zuwächsen im Geschäft mit Soja- sowie Baumwoll-Saat infolge der Wiederzulassung Dicamba-basierter Produkte in den USA. So hatte die US-Umweltbehörde im Februar die Zulassung von Dicamba-Herbiziden in 34 US-Bundesstaaten wiederhergestellt. Das hilft der Nachfrage nach Saatgut für Dicamba-tolerante Soja- und Baumwollpflanzen.
Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten sank das operative Ergebnis wegen höherer Kosten für die Vermarktung neuer Arzneien zwar etwas auf 1,055 Milliarden Euro, allerdings lief es besser als von Analysten erwartet. Hier wachsen die Geschäfte mit noch jungen Medikamenten wie dem Krebsmittel Nubeqa sowie Kerendia zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen sowie Herzinsuffizienz deutlich, was hilft, fortgesetzte Umsatzeinbrüche beim Blutgerinnungshemmer Xarelto sowie dem Augenmedikament Eylea abzufedern. Die beiden Kassenschlager leiden nach Patentabläufen unter Generika-Konkurrenz. Unter dem Strich verblieb bei Bayer ein Konzerngewinn von 219 Millionen Euro, nach einem Verlust von 199 Millionen vor einem Jahr. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein Plus von 2,2 Prozent.
Den währungsbereinigten Umsatzausblick für 2026 von 45 bis 47 Milliarden Euro bestätigte Bayer; inklusive Wechselkurseffekten stieg der Ausblick leicht auf 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro.
Die Prognosen für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben exklusive sowie inklusive Wechselkurseffekten unverändert bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro beziehungsweise bei 9,4 bis 9,9 Milliarden.
Optimistischer blickt die Bayer-Chefetage derweil auf die Verschuldung. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende nun bei 29 bis 30 Milliarden Euro liegen, statt bei den bisher avisierten 32 bis 33 Milliarden. Grund ist ein vor wenigen Wochen bekannt gegebener Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo . Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge drei Milliarden Euro Eigenkapital.
Anderson will bei Bayer seinen Kurs der Fokussierung fortsetzen
Der Bayer-Chef will an der Konzernstruktur mit drei separaten Geschäften weiterhin nicht rütteln. "Letztlich kommt es auf den Fokus an", sagte Bill Anderson in der virtuellen Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen. Bayer müsse sich weiter auf die gesteckten Prioritäten konzentrieren: Die Verbesserung der Pharma-Pipeline sowie der Profitabilität im Agrarbereich, die Eindämmung der Rechtsrisiken sowie den Abbau von Schulden und Bürokratie.
"Im Moment denken wir, dass der beste Plan darin besteht, weiterhin konsequent an diesen fünf Themen zu arbeiten, weil sie uns in jedem Szenario besser machen werden - egal, ob wir zusammenbleiben, etwas verkaufen oder etwas hinzufügen", sagte Anderson.
Die Umsetzung werde in jedem Fall eine deutlich stärkere Bilanz liefern, in jedem Geschäftsbereich zu besseren Leistungen führen und zu einer schnelleren, agileren Organisation. "Unsere Einschätzung heute ist, dass es noch nicht an der Zeit ist, davon abzuweichen."
Investoren hatten nach dem wichtigen Sieg im Glyphosat-Streit vor dem Obersten Gerichtshof der USA Ende Juni die künftige strategische Ausrichtung des Konzerns wieder in den Blick genommen. Vor drei Jahren zum Amtsantritt von Anderson hatten einige Anleger auf eine Aufspaltung von Bayer gedrungen. "Damals sah unsere Perspektive wirklich nicht so gut aus", räumte Anderson ein. Heute sei Bayer in einer viel besseren Position.
Zugleich schloss Anderson eine Aufspaltung aber auch nicht völlig aus. "Wir bleiben dabei offen und schauen uns die Möglichkeiten immer wieder an."
Beim Bürokratieabbau sieht Anderson deutliche Fortschritte durch das Programm "Dynamic Shared Ownership". Bayer sei heute wahrscheinlich eines der am wenigsten bürokratischen Grossunternehmen, die man finden könne. "Das ist jetzt eine Position der Stärke, die wir nutzen können, und wir haben Rückenwind." Im abgelaufenen Quartal sind im Zuge des Programms, das vor allem auf den Abbau von Leitungspositionen und Hierarchien setzt, keine weiteren Stellen abgebaut worden. Anderson wollte allerdings nicht ausschliessen, dass es noch zu weiterem Abbau kommen werde.
Im Bereich des Schuldenabbaus will Bayer nach dem 3 Milliarden Euro schweren Einstieg des US-Finanzinvestors Apollo bei einer Tochtergesellschaft nun schneller vorankommen: Die Nettofinanzverschuldung soll bis Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden statt wie bisher 32 bis 33 Milliarden Euro sinken.
Was den Sammelvergleich mit den grossen US-Klägerkanzleien im Glyphosat-Rechtsstreit angeht, so sagte Anderson, es werde erwogen, einige jener Kläger aufzunehmen, die zunächst davon ausgeschlossen waren. Dazu werde die Zeit bis zur abschliessenden Anhörung vor dem zuständigen Gericht in St. Louis genutzt. Weitergehend wollte sich der Bayer-Chef aber nicht äussern.
LEVERKUSEN (awp international) / Dow Jones Newswires
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