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360° Finanzen 02.03.2026 16:49:13

Klumpenrisiken in US-Aktien: Alternative Indizes rücken in den Fokus

Kolumne

Durch die starke Performance der grossen US-Technologiegiganten sind mittlerweile erhebliche Sektor- und Klumpenrisiken entstanden. Für Anlegerinnen und Anleger, die der Tech-Rallye skeptisch gegenüberstehen, gewinnen alternative Indizes an Bedeutung.

Mit einem geschätzten Bruttoinlandsprodukt von USD 30.5 Billionen im Jahr 2025 (IMF) besetzen die USA den Spitzenplatz unter den globalen Volkswirtschaften. Rund ein Viertel der weltweiten Erzeugnisse (inkl. Dienstleistungen) werden in den USA erbracht. Auch für die Finanzwirtschaft sind die Vereinigten Staaten mit ihren immensen Anleihen- und Aktienmärkten von zentraler Bedeutung.

64% der global handelbaren Marktkapitalisierung entfallen auf den US-Aktienmarkt. Ohne Schwellenländermärkte sind es sogar 70%. US-Unternehmen gelten als innovativ, kompetitiv und stellen meist das Aktionärsinteresse in den Vordergrund. Durch den amerikanischen Aktienmarkt ist es möglich, in Technologieunternehmen mit neuen Geschäftsmodellen zu investieren, welche im Heimmarkt vielleicht weniger stark vertreten sind.

Dies zeigt sich auch in der Performance. In den vergangenen fünf Jahren erzielte der US-Aktienmarkt (MSCI USA) eine Rendite von durchschnittlich 14.5% pro Jahr. Bereinigt um den schwächelnden US-Dollar konnten Schweizer Investoren mit rund 11% pro Jahr rechnen, während der Schweizer Aktienmarkt einen jährlichen Zuwachs von lediglich 6.7% verzeichnete.

Passives Investieren: was ist im Index?

Die grosse Mehrheit der aktiv verwalteten Fonds schafft es gemäss zahlreichen Studien nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Dies gilt in besonderem Ausmass für den hocheffizienten US-Markt. Passiv verwaltete Produkte wie ETF oder Indexfonds gewinnen daher an Popularität. Sie erzielen keine Überrendite, sondern bilden schlicht den Markt ab - möglichst kostengünstig und effizient.

Die Wahl des zugrundeliegenden Referenzindex ist dabei zentral. Die meisten moderneren Standardindizes stützen sich bei der Titelgewichtung auf die zugrundeliegende Marktkapitalisierung der jeweiligen Unternehmen. Dies führt dazu, dass grosse Unternehmen teils ein erhebliches Gewicht einnehmen, was sich negativ auf die Diversifikation auswirken kann. Im S&P 500, aber auch im Nasdaq sind Titel aus dem Technologiebereich mit teils ähnlichen Geschäftsmodellen überproportional stark vertreten.

Starke Konzentration bei US-Tech-Giganten

Diese oftmals einseitige Ausrichtung birgt gerade für passive Anlagen Gefahren. Konkret stammen die acht grössten US-Unternehmen aus dem Technologiesektor oder haben technologielastige Geschäftsmodelle. Sie alle profitieren vom gegenwärtigen Boom um künstliche Intelligenz. Die Gewichtung der «Magnificent Seven» (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla) im S&P 500 beläuft sich auf mehr als 30%. Wenn zusätzlich noch entsprechende Positionen als Einzeltitel oder über weitere Fonds gehalten werden, entstehen teils erhebliche Klumpenrisiken.

Dass gewisse Sektoren oder Themenbereiche eine hohe Gewichtung im Aktienmarkt einnehmen, ist dabei nicht ungewöhnlich. In den 80er Jahren waren es hauptsächlich grosse Energieunternehmen, in den 90ern dominierten japanische Finanzwerte und in den 2000er-Jahren bestimmten Unternehmen aus dem aufkommenden Internet das Marktgeschehen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Unternehmen, welche ein starkes Gewicht in einem Index einnehmen, in den Folgejahren häufig etwas an Dynamik einbüssen.

US-Indizes mit weniger Konzentration

Gemäss Berechnungen des Finanzdienstleisters MSCI weisen Aktien, welche im S&P 500 gelistet sind, in 75% der Fälle eine Unterperformance auf, sobald sie zu den zehn grössten Indextiteln gehören. Eine geringere Gewichtung der grössten Titel kann die Diversifikation verbessern, zumal diese in den USA auch ähnliche Gewinn- und Risikotreiber aufweisen.

«Gleichgewichtete» Indizes bieten diese Möglichkeit: In diesen erhält jedes Unternehmen unabhängig seiner Marktkapitalisierung die gleiche Gewichtung. Der triviale Ansatz verringert zwar die Dominanz von Nvidia & Co., verleiht kleineren Unternehmen aber ein unverhältnismässig hohes Gewicht. Zielführender erscheint es, marktgewichtete Indizes um einzelne Aktien zu bereinigen.

Dies hat den Vorteil, dass die relative Markgewichtung der verbleibenden Titel bestehen bleibt. Neuartige Indizes schliessen bewusst nur wenige Unternehmen mit hohem Gewicht aus, so dass ein grosser Teil des zugrundeliegenden Marktes weiterhin abgebildet wird.

Konzentration als Performancetreiber

Bewusst auf die grössten US-Titel zu verzichten, reduziert die Sektor- und Klumpenrisiken, allerdings fehlen auch die entsprechenden Performancebeiträge. Ein Grossteil der ausserordentlich starken Performance von Nasdaq und S&P 500 in den letzten Jahren ist auf die grossen Tech- und Kommunikationswerte zurückzuführen.

So erzielten die «Magnificent Seven» in den letzten fünf Jahren eine Performance von rund 210%, während die restlichen Titel des S&P 500 um 65% zulegen konnten. Die starke Performance des IT-Sektors ist zumindest vorerst durch die Gewinnentwicklung gedeckt. Gemäss S&P stammen derzeit mehr als 30% der operativen Indexgewinne aus dem Technologiesektor - Tendenz steigend.

Inwiefern die Indexkonzentration in den gängigen ETFs gerechtfertigt ist, hängt wesentlich von der Einschätzung des gegenwärtigen KI-Booms und der Tech-Rallye sowie vom Portfolioanteil bereits separat gehaltener Aktien der US-Technologiegiganten ab.

Von Thomas Rühl, CIO SZKB

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