Grüezi! Sie wurden auf finanzen.ch, unser Portal für Schweizer Anleger, weitergeleitet.  Zurück geht es hier.
<
News + Analysen
News + Adhoc
Analysen
Kursziele
>
<
Unternehmen
Termine
Profil
>
<
zugeh. Wertpapiere
Strukturierte Produkte
>
Manipulationsvorwürfe 15.04.2024 17:51:00

Temenos-Aktie im Rally-Modus: Unabhängiger Untersuchungsbericht zu Hindenburg-Vorwürfen entlastet Temenos

Temenos-Aktie im Rally-Modus: Unabhängiger Untersuchungsbericht zu Hindenburg-Vorwürfen entlastet Temenos

Der Softwarehersteller Temenos hat den Untersuchungsbericht zu den Manipulationsvorwürfen von Hindenburg Research vorgelegt.

Dabei konnten die Prüfer keine Anhaltspunkte für Unregelmässigkeiten finden, wie das Unternehmen Temenos am Montag mitteilte.

Das Investment-Research-Unternehmen Hindenburg hatte Temenos Mitte Februar 2024 "schwerwiegende Unregelmässigkeiten" in der Rechnungslegung vorgeworfen. Unter anderem gab es laut Hindenburg Hinweise auf manipulierte Gewinne.

Nach den Vorwürfen war der Aktienkurs von Temenos regelrecht eingebrochen. Hindenburg Research hatte in dem mehrseitigen Bericht auch darauf hingewiesen, dass man in Temenos-Aktien "short" sei, also auf fallende Kurse wette.

Keine Anhaltspunkte für Vorwürfe gefunden

Für die Untersuchung der Vorwürfe hatte Temenos einen Sonderausschuss unter der Leitung von Verwaltungsratspräsident Thibault de Tersant eingesetzt. Unterstützt wurde dieser von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Alvarez & Marsal. Zudem hatte Temenos die Kanzleien Schellenberg Wittmer als Schweizer Rechtsberater und Sullivan & Cromwell als US-Rechtsberater beauftragt.

Die Untersuchung habe ergeben, "dass Hindenburg Research unrichtige und irreführende Behauptungen über Temenos und ihre Rechnungslegung, Produkte und Kundenbeziehungen aufgestellt und angebliche Fakten über Temenos verzerrt oder aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt hat", teilte Temenos weiter mit.

Weiter kommen Verwaltungsrat und der Prüfungsausschuss zu dem Schluss, dass die Erkenntnisse keinen Einfluss auf die früher von Temenos veröffentlichten Jahresabschlüsse haben. Auch ändere sich nichts an der Einschätzung, dass die Finanzlage, das Geschäftsergebnis und die Cashflows von Temenos angemessen wiedergegeben werden.

Laut VRP De Tersant bestätigte die Untersuchung, dass "Temenos ein solides Geschäft betreibt, erstklassige Produkte anbietet und über robuste Finanzkontrollen und eine starke Governance-Aufsicht verfügt."

Umfangreiche Untersuchung

Im Rahmen der Untersuchung haben die Prüfer gemäss dem zehnseitigen Abschlussbericht mehr als 300'000 Dokumente analysiert. Zudem seien 17 ehemalige und aktuelle Temenos-Mitarbeitende befragt worden, was auch das obere Management mit einschloss.

An der Untersuchung waren laut dem Abschlussbericht mehr als 150 Anwälte und Wirtschaftsprüfer beteiligt. Zusammen hätten diese mehr als 22'000 Stunden für die Prüfung der Hindenburg-Vorwürfe aufgewendet.

Aktionäre erfreut

Die Aktien von Temenos zeigten sich am Montag mit deutlichen Gewinnen. In einer unabhängigen Untersuchung hatten sich keine Beweise für die Manipulationsvorwürfe des Shortsellers Hindenburg Research gefunden.

Die Aktien von Temenos schossen via SIX letztlich um 19,54 Prozent auf 73,40 Franken in die Höhe. Sie holen damit gut ein Drittel der Verluste nach dem Kurseinbruch Mitte-Februar wieder auf, als die Vorwürfe publiziert wurden. Gleichzeitig lag der Gesamtmarkt SPI um 0,19 Prozent im Plus.

Die Analysten hatten mit einer Entkräftigung der Vorwürfe gerechnet. Gleichwohl bewerten sie den Bericht nun positiv. "Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor hinsichtlich des Geschäftsmodells von Temenos ist somit beseitigt", fasst ZKB-Analyst Christian Bader zusammen.

"Wir glauben, dass dies den Heilungsprozess einleiten sollte und sich positiv auf den Aktienkurs auswirken wird", ergänzt Jefferies. Ebenso hatte Vontobel-Analyst Michael Foeth von Anfang an nicht an die Anschuldigungen geglaubt.

Jetzt richte sich der Blick der Analysten wieder verstärkt auf die Zukunft. So steht die Ernennung eines neuen CEOs immer noch aus. Zudem werde sich in der kommenden Woche bei der Q1-Publikation noch zeigen, ob und in welchem Umfang sich die Episode auf Vertragsabschlüsse ausgewirkt hat.

Neuer CEO soll bei GV am 7. Mai vorgestellt werden

Temenos Verwaltungsratspräsident Thibault de Tersant zeigte sich zuversichtlich, dass er den neuen CEO an der anstehenden Generalversammlung am 7. Mai vorstellen kann. Eine entsprechende Ankündigung machte er in seinem Grusswort an die Aktionäre in dem am Montag publizierten Geschäftsbericht.

Temenos sucht inzwischen seit mehr als einem Jahr nach einem Nachfolger für Max Chuard, der im Januar 2023 abrupt zurückgetreten war. Seitdem leitet der ehemalige Verwaltungsratspräsident Andreas Andreades die Geschäfte interimistisch.

Temenos-Aktionär fordert rechtliche Schritte gegen Hindenburg Research

Der aktivistische Temenos-Aktionär Petrus Advisers will nun auf den Shortseller Hindenburg Research losgehen. Auch die Softwareschmiede soll rechtliche Schritte unternehmen.

Temenos hatte am Morgen die Mitte Februar erhobenen Manipulationsvorwürfe von Hindenburg Research mit einem Untersuchungsbericht entkräftet. Das genügt Petrus Advisers noch nicht: Denn der Schaden von Hindenburgs rechtswidrigem Manipulationsangriff sei "beträchtlich", hiess es in einem Brief an den Verwaltungsrat, der AWP vorliegt.

Allein für die unabhängige Untersuchung rechne Petrus Advisers mit Kosten von mindestens 5 Millionen Franken. Darüber hinaus hätten die Temenos-Mitarbeitenden viele Arbeitsstunden aufwenden müssen.

"Wir erwarten nun, dass Temenos aufwacht und endlich rechtliche Schritte gegen Hindenburg einleitet", erklärte Petrus Advisers in der Stellungnahme. Man sei "sehr gerne bereit", Temenos die eigene rechtliche Analyse zur Verfügung zu stellen. Auch Petrus Advisers selber prüfe "weitere rechtliche Schritte", hiess es.

Genf / Zürich (awp)

Weitere Links:


Bildquelle: monticello / Shutterstock.com,Keystone,Kirsten Scully/Kos Picture Source via Getty Images