| 360° Finanzen |
30.01.2026 15:53:36
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Unternehmensgewinne 2025 auf Rekordniveau: Was das Wachstum global antreibt
Kolumne
Rekordgewinne prägen das globale Unternehmensumfeld im Jahr 2025. Hinter dem kräftigen Gewinnwachstum stehen neben höheren Umsätzen vor allem Margenausweitungen sowie geringere Einmalkosten und günstige Wechselkurse. Die Global Equity Study von Capital Group zeigt, wie tragfähig diese Ertragsdynamik ist, welche Sektoren das Gewinnwachstum prägen und wo regionale Unterschiede das Gesamtbild bestimmen.
Das Umsatzwachstum erklärt knapp die Hälfte des Gewinnanstiegs im Jahr 2025. Die Unternehmen erzielten 2025 prognostizierte Gesamterlöse von 44.2 Billionen US-Dollar - ein Plus von 5.3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rund ein Drittel des Gewinnanstiegs ist auf geringere Einmalkosten zurückzuführen, auch günstige Wechselkurse spielten eine Rolle. Dabei handelt es sich um Wachstum geringerer Qualität, das keine nachhaltige Wertschöpfung signalisiert. Doch selbst ohne diesen künstlichen Schub übertrafen die Gewinnzuwächse das Umsatzwachstum um rund drei Prozentpunkte.
Langfristiger Trend zur Margenausweitung
Diese Margenausweitung ist Teil eines langfristigen Trends und zeigt sich in den meisten Branchen und Regionen weltweit. Seit 2015 sind die Gewinne um 143 Prozent gestiegen, während die Umsätze lediglich um 69 Prozent zulegten, Unternehmen wandeln also einen immer grösseren Teil ihrer Erlöse in Gewinne um.
Der Grossteil der Gewinne und des freien Cashflows wird über Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Aktionärinnen und Aktionäre zurückgegeben.
Der Report prognostiziert für die 1‘600 grössten Unternehmen weltweit Dividenden und Aktienrückkäufe in Höhe von insgesamt 3.5 Billionen US-Dollar im Jahr 2025, was ein Anstieg von 7.7 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt und doppelt so viel ist wie noch 2016.
Trotz dieses rasanten Wachstums lag die Ausschüttungsdeckung, also das Verhältnis von Gewinnen zu Dividenden und Rückkäufen, 2025 bei 1.39-fach und damit lediglich leicht über dem Zehnjahresdurchschnitt von 1.31-fach. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den ebenfalls zentralen Cashflow-Kennzahlen.
Globale Perspektive: Kapitaldisziplin und selektives Wachstum
Gewinne, Cashflow und Ausschüttungen an die Aktionäre haben sich seit 2016 allesamt verdoppelt und sind damit doppelt so schnell gewachsen wie die globale Inflation. Dieses langfristige Wachstum hat die Aktienkurse steigen lassen, hohe Kursgewinne ermöglicht und Billionen von US-Dollar an Barmitteln generiert, die an die Aktionäre zurückgegeben wurden. Die Unternehmensbilanzen sind heute stärker als vor der Pandemie, und die Disziplin bei der Kapitalrückführung hat sich über die USA hinaus verbreitet. Märkte wie Japan und China verfügen über erheblichen Spielraum, um die Ausschüttungen an die Aktionäre zu erhöhen, während in Märkten mit geringerer Deckung - wie den USA - das Gewinnwachstum entscheidend für nachhaltig höhere Ausschüttungen ist.
Für Anleger unterstreicht dies die Bedeutung, sich auf Unternehmen mit dauerhafter Profitabilität und soliden Fundamentaldaten zu konzentrieren. In einem Umfeld ungleichmässigen Wachstums kann die Rolle eines aktiven Managers, der tiefgehende Unternehmensanalysen betreibt, umsichtig navigiert und selektiv vorgeht, wichtiger sein denn je.
Technologiesektor als zentraler Gewinnmotor
Die wichtigsten Treiber des Gewinnwachstums 2025 waren die Technologie- und Mediensektoren, insbesondere in den USA, Taiwan und China. Die Gewinne stiegen dort um fast ein Drittel beziehungsweise ein Viertel, begünstigt durch geringere Einmalkosten. Insgesamt trugen Technologieunternehmen, vor allem Halbleiterhersteller, rund ein Drittel zum weltweiten Gewinnwachstum 2025 bei.
Auch Finanz- und Gesundheitsunternehmen verzeichneten kräftiges Wachstum. Die Gewinne im Energiesektor stagnierten, während zyklische Konsumgüterunternehmen aufgrund der weltweiten Schwäche der Automobilhersteller rückläufige Gewinne meldeten.
Regionale Unterschiede prägen das Gesamtbild
Unter den grossen Volkswirtschaften verzeichneten die USA und Kanada 2025 eines der stärksten Gewinnwachstums. In den USA stützte sich dieses Wachstum stark auf eine Handvoll sehr grosser Unternehmen, während in Kanada die Banken mehr als die Hälfte des Wachstums beitrugen. Im pazifischen Raum treiben Halbleiterhersteller die Gewinne in Taiwan und Korea nach oben. Japan und das Vereinigte Königreich liegen im Mittelfeld, mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen bei ihren führenden Unternehmen. In Europa bremsen angeschlagene Automobilhersteller das Gesamtbild und verdecken besseres Wachstum in anderen Bereichen.
Schweizer Markt: Moderates Wachstum mit Sondereffekten
Insgesamt fällt das Wachstum im Schweizer Markt moderat aus, was auf den hohen Anteil grosser defensiver Unternehmen in der Schweiz zurückgeführt werden kann. Einige wenige grosse Schweizer Konzerne machen in der Regel den Grossteil der gesamten Gewinne börsenkotierter Unternehmen aus. In den vergangenen zehn Jahren sind die Umsätze in Schweizer Franken gerechnet lediglich um etwas mehr als 2 Prozent pro Jahr gewachsen, während die Gewinne doppelt so stark zulegten. Die Gesamtgewinne erreichten 2025 voraussichtlich 92.6 Mrd. US-Dollar - ein Plus von 17.6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund die Hälfte dieses Wachstums ist auf geringere Einmaleffekte zurückzuführen, während auch Wechselkurse einen deutlichen positiven Beitrag leisteten.
Von Christophe Braun, Equity Investment Director, Capital Group
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