| ETF-Experten-Kolumne |
06.08.2026 09:00:00
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findependent-Kolumne: Ein Tipp zum ruhig Schlafen: Ignoriere Anlagetrends
Kolumne
Jede Saison bringt einen neuen Modetrend hervor. Doch wer jedem Trend hinterherläuft, merkt schnell: Das geht ins Geld. Die Modeindustrie hat dieses Prinzip über Jahrzehnte perfektioniert. Ihr Marketing sorgt dafür, dass sich viele Menschen ständig neue Kleider anschaffen - obwohl die eigene Garderobe noch tipptopp ist. Die Finanzbranche steht dem in nichts nach.
Der tägliche Wahnsinn an den Finanzmärkten
Wer das tägliche Geschehen an den globalen Finanzmärkten beobachtet, kann leicht zum Schluss kommen, dass es einem Casino gleicht. Je nach Wertschrift können die täglichen Schwankungen enorm sein - egal ob Aktien, Anleihen oder Edelmetalle. Kurzfristig ist dabei kein Muster erkennbar.
Das macht auch Sinn: Die Preise von börsengehandelten Wertschriften werden durch unzählige Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Investoren (und ihren Handelsalgorithmen!) weltweit innerhalb von Sekundenbruchteilen gebildet.
Diese Transaktionen fussen auf ganz unterschiedlichen Grundlagen. Die einen handeln aus dem Affekt und folgen ihrem Bauchgefühl. Andere entscheiden sich erst nach einer monatelangen, strukturierten Analyse der Fundamentaldaten. Doch auch Letztere fällen ihre Anlageentscheidungen in einem unsicheren Umfeld. Denn Börsenpreise werden von unendlich vielen Faktoren beeinflusst: Pressemitteilungen, Branchentrends, Wirtschaftsdaten, Gesetzesänderungen, geopolitische Ereignisse oder schlicht haltlose Gerüchte.
Kurz gesagt: Es kann jederzeit alles passieren. Die kurzfristige Entwicklung an den Finanzmärkten ist schlicht nicht vorhersehbar.
Kurzfristige Modetrends kosten dich Geld
Trotzdem hat sich eine ganze Industrie etabliert, die genau das verkauft: Dank neuer Anlagetrends angeblich schnell Geld verdienen. Viele Banken, Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter werben in Hochglanzbroschüren für Produkte, die auf den neusten Trend aufspringen. Sie nutzen dabei menschliche Urinstinkte aus - wie den Drang nach Neuem (Neophilie) oder die Angst, etwas zu verpassen (FOMO - Fear Of Missing Out).
Doch das kostet dich als Anlegerin oder Anleger meist viel Geld:
1. Hohe Handelskosten: Jede Transaktion verursacht Kosten - direkte wie Courtagen sowie versteckte (Handelsspannen, Fremdwährungsaufschläge, Steuern). Das bekannte Bonmot "Hin und Her macht Taschen leer" trifft es auf den Punkt. Dabei profitiert meist nur die Bank.
2. Teure Nischenprodukte: Produkte, die auf den letzten Schrei zielen (wie z. B. spezielle Themenfonds), sind oft deutlich teurer als breite Markt-ETFs.
3. Schlechtes Timing: Solche Trendprodukte kommen meist spät auf den Markt - oft erst nach markanten Kursgewinnen. Sobald kräftig die Werbetrommel gerührt wird, ist der Peak oft schon erreicht.
Leider verschwinden viele Anlagetrends so schnell, wie sie aufkommen. Wer zu spät auf den fahrenden Zug aufspringt, bleibt oft auf schmerzhaften Verlusten sitzen. Wissenschaftliche Studien (wie der jährliche Report des US-Marktforschungsinstituts DALBAR) belegen immer wieder: Privatanleger, die kurzfristig Trends jagen, verfehlen die durchschnittliche Marktrendite deutlich.
Time in the market statt Market Timing
Langfristig sieht die Sache anders aus. Die Wertentwicklung von traditionellen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien ist über lange Zeiträume gut abschätzbar. Der Schweizer Aktienmarkt hat gemäss einer Langzeitstudie von der Schweizer Privatbank Pictet über die letzten 100 Jahre eine durchschnittliche Bruttorendite von 7,7 % pro Jahr erzielt. Ähnliches gilt für andere entwickelte Märkte weltweit.
Das ist kein Zufall: Hinter jeder Aktie steckt ein reales Unternehmen, das Produkte verkauft, Erträge erwirtschaftet und Gewinne reinvestiert. So findet eine kontinuierliche Wertschöpfung statt. An die Börse schaffen es zudem meist nur die etablierten Unternehmen eines Landes. Und wer mit einem ETF gleich in den Gesamtmarkt investiert, verteilt sein Risiko zudem auf viele verschiedene Firmen und Branchen weltweit.
Wenn du nicht vom Weltuntergang ausgehst, tägliche Schwankungen gelassen siehst und etwas Geduld mitbringst, kannst du auch zukünftig verlässlich von dieser globalen Wertschöpfung profitieren. Dafür kannst du die ständig wechselnden Hypes getrost an dir vorbeiziehen lassen.
Deine Kurzanleitung für einen ruhigen Schlaf
1. Mach eine seriöse Vermögensplanung: Stelle ein realistisches Budget auf, verschaffe dir einen Überblick über dein Vermögen und bestimme dein persönliches Risikoprofil sowie deine Anlageziele.
2. Denke langfristig: Lege deine Finanzmittel langfristig, breit abgestützt und kostengünstig an.
3. Bleib gelassen: Halte an deinem Plan fest, lass dein Geld für dich arbeiten und geniesse dein Leben.
Matthias Bryner, Gründer und CEO des digitalen Vermögensverwalters findependent sowie Autor des vierteljährlich erscheinenden findependent Marktberichts.
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