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Experten-Kolumne 03.08.2023 10:14:37

Katerstimmung im Reich der Mitte

Katerstimmung im Reich der Mitte

Nach dem überraschend schnellen Ende der Zero-COVID Politik startete die chinesische Wirtschaft mit viel Verve in das neue Jahr. Doch im Verlauf des Frühjahrs wurde es immer offensichtlicher, dass die simmernde Immobilienkrise wie ein grosser Mühlstein auf dem Wachstum lastet.

Nach dem Überschwang des vergangenen Jahrzehnts scheint jetzt der Kater einzusetzen, und die Investoren sind zunehmend verunsichert. Wie berechtigt sind diese Sorgen und gibt es überhaupt Aussicht auf Besserung?

Aus rein ökonomischer Sicht hat China sich zurzeit vom Rest der Welt abgekoppelt. In den letzten 12 Monaten lag die chinesische Inflation nie über 2,8 Prozent - selbst als in Europa die Inflation zweistellig wütete. Der aktuelle Trend in China geht sogar in Richtung Deflation.

Ein besorgniserregendes Signal ist der Erzeugerpreisindex für Rohstoffe, der im Jahresvergleich um 9,5 Prozent zurückgegangen ist, aufgrund einer Verlangsamung der Investitionstätigkeit. Da Anlageinvestitionen, insbesondere Infrastrukturinvestitionen, bei der jüngsten Erholung eine Schlüsselrolle spielen, deutet dieses Signal auf eine zukünftige Konjunkturschwäche hin.

Die schwächer werdenden Teilindizes des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, etwa Auftragseingänge und Lagerbestände, spiegeln einen ähnlichen Trend wider. Das Bruttoinlandsproduktwachstum im 2. Quartal von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr sieht zwar optisch beeindruckend aus, verliert aber schnell seinen Glanz, wenn man berücksichtigt, dass im letzten Jahr die chinesische Wirtschaft durch massive Lockdowns beeinträchtigt war.

Neben dem BIP entwickelt sich der Arbeitsmarkt zu einer grossen Herausforderung. Die Jugendarbeitslosenquote hat im Juni einen weiteren Sprung auf 21,8 Prozent gemacht, weshalb die soziale Stabilität zu einem dringlicheren Anliegen der politischen Entscheidungsträger werden sollte. Für Peking wird es immer schwieriger, ein Gleichgewicht zwischen kurzfristigen Anreizen und langfristigen Zielen, wie gemeinsamem Wohlstand und einer Reform des Immobilienmarktes, zu finden. Die unterstützenden Massnahmen blieben bisher hinter den Markterwartungen zurück.

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus China: Das konjunkturpolitische Pendel sollte in den kommenden Monaten umschlagen, wobei der Schwerpunkt der koordinierten geld- und fiskalpolitischen Massnahmen auf die Verbesserung der Geschäftsbedingungen gelegt werden dürfte. Tiefe Inflationszahlen geben der Notenbank den Spielraum, die Leitzinsen zu senken, und damit den öffentlichen und privaten Sektor durch niedrigere Finanzierungskosten zu stützen.

Die schlechte Wertentwicklung des chinesischen Aktienmarktes in diesem Jahr ist ein Hinweis, dass die schwachen Wachstumsaussichten und der Mangel an politischen Anreizen durchaus eingepreist sind. Jede geringfügige Verbesserung des Wachstums und der politischen Bedingungen könnte einen Stimmungsumschwung am Markt auslösen. Die aktuell geringe Bewertung mit einem KGV von 10x liegt 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt und bietet entsprechend einen gewissen Sicherheitspuffer. Ein wichtiger Gradmesser für eine Trendwende chinesischer Aktien ist der weitere Verlauf der oben erwähnten Erzeugerpreise. Die Gewinnerzielung chinesischer Unternehmen war in den vergangen 15 Jahren sehr eng mit der Dynamik bei den Erzeugerpreisen verbunden. Ein Ende des deflationären Trends wäre entsprechend auch ein gutes Signal für eine zukünftig bessere Gewinn- und Aktienmarktentwicklung.

Tilmann Galler ist globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management Wichtige Hinweise Bei diesem Dokument handelt es sich um Werbematerial. Die hierin enthaltenen Informationen stellen jedoch weder eine Beratung noch eine konkrete Anlageempfehlung dar. Sämtliche Prognosen, Zahlen, Einschätzungen und Aussagen zu Finanzmarkttrends oder Anlagetechniken und -strategien sind, sofern nichts anderes angegeben ist, diejenigen von J.P. Morgan Asset Management zum Erstellungsdatum des Dokuments. J.P. Morgan Asset Management erachtet sie zum Zeitpunkt der Erstellung als korrekt, übernimmt jedoch keine Gewährleistung für deren Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Informationen können jederzeit ohne vorherige Ankündigung geändert werden. J.P. Morgan Asset Management nutzt auch Research-Ergebnisse von Dritten; die sich daraus ergebenden Erkenntnisse werden als zusätzliche Informationen bereitgestellt, spiegeln aber nicht unbedingt die Ansichten von J.P. Morgan Asset Management wider. Die Nutzung der Informationen liegt in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Der Wert, Preis und die Rendite von Anlagen können Schwankungen unterliegen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung. Das Eintreffen von Prognosen kann nicht gewährleistet werden. J.P. Morgan Asset Management ist der Markenname für das Vermögensverwaltungsgeschäft von JPMorgan Chase & Co und seiner verbundenen Unternehmen weltweit. Telefonanrufe bei J.P. Morgan Asset Management können aus rechtlichen Gründen sowie zu Schulungs- und Sicherheitszwecken aufgezeichnet werden. Soweit gesetzlich erlaubt, werden Informationen und Daten aus der Korrespondenz mit Ihnen in Übereinstimmung mit der EMEA-Datenschutzrichtlinie von J.P. Morgan Asset Management erfasst, gespeichert und verarbeitet. Die EMEA-Datenschutzrichtlinie finden Sie auf folgender Website: www.jpmorgan.com/emea-privacy-policy. Herausgeber in Europa (ex UK): JPMorgan Asset Management (Europe) S.à r.l., 6 route de Treves, L-2633 Senningerberg, Grand Duchy of Luxembourg, R.C.S. Luxembourg B27900, Unternehmenskapital EUR 10.000.000. 09pc230308071438

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