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EV-Rohstoff 02.03.2024 23:46:00

Lithiumpreis wegen Überangebot im Sturzflug - Das sind die Perspektiven

Lithiumpreis wegen Überangebot im Sturzflug - Das sind die Perspektiven

Der Lithiumpreis ist von seinem im Jahr 2022 erreichten Allzeithoch kräftig eingebrochen. Eine höhere Produktionsmenge, die sinkende Nachfrage nach Elektroautos sowie Wachstumsprobleme in zahlreichen Volkswirtschaften weltweit sorgen für schwere Zeiten beim bereits als "das neue Öl" betitelten Rohstoff. In Zukunft könnte sich das Blatt jedoch wieder wenden.

• Lithiumpreis stürzte um 80 Prozent ab
• Überangebot und nachlassende Elektroautoabsätze
• Lithium-Produzenten reagieren

Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete Lithium in der Vergangenheit bereits als "das neue Öl" und riet zum Einstieg in die Branche. "Steigt in die Lithium-Branche ein, da gibt es Gewinnmargen von bis zu neunzig Prozent, ähnlich wie die Softwarebranche, das ist wie Geld drucken", sagte der Tesla-Chef laut "WirtschaftsWoche" im Jahr 2022 bei einer Bilanzpräsentation. Tatsächlich erlebte Lithium, das als wichtiger Rohstoff für die Batterien von Elektroautos benötigt wird, 2022 einen Höhenflug. Laut "Yahoo Finance" wurden damals in China für eine Tonne Lithium bis zu 80'000 US-Dollar bezahlt. Auch Elon Musk sprach im Frühjahr von einem "irrsinnigen Niveau", auf das der Preis für den Rohstoff gestiegen sei. Doch während Tesla noch an seiner mehrfach als "Gelddruckmaschine" bezeichneten Lithiumraffinerie baut, hat sich die Situation am Lithiummarkt inzwischen deutlich verändert - und von einer Möglichkeit praktisch Geld zu drucken, kann nicht mehr die Rede sein.

Lithiumpreis im Sinkflug - und noch kein Ende in Sicht

Von ihrem Allzeithoch aus dem Jahr 2022 sind die Lithiumpreise derzeit rund 80 Prozent entfernt. Wie "Yahoo Finance" berichtet, wurden im Februar 2024 in China für eine Tonne Lithium nur noch weniger als 14'000 US-Dollar bezahlt - nach 80'000 US-Dollar in 2022. Normalerweise wird der für die Elektroautoindustrie wichtige Rohstoff über nicht-öffentliche Kontrakte gehandelt, China gebe als grösster Verarbeiter und Konsument von Lithium jedoch die Preise bekannt, so das Nachrichtenmagazin.

Ein Grund für den Preiseinbruch ist die sich verlangsamende Nachfrage nach E-Autos, da in diesem Zusammenhang auch der Bedarf an Lithium für die entsprechenden Akkus sinkt. Zusätzlich wuchs ausserdem das Angebot an Lithium stark, da Produzenten ihre Kapazitäten ausbauten und neue Akteure in den Markt einstiegen oder das noch planen. So hat neben Tesla etwa auch ExxonMobil vor, im Lithium-Geschäft mitzumischen. Das führte dazu, dass es nach einem Lithium-Defizit nun zu einem Überangebot gekommen ist - und dieses dürfte auch noch für die nächsten drei bis vier Jahre bestehen bleiben, sagte Frank Nikolic, Analyst bei dem Business-Intelligence-Unternehmen CRU Group, gegenüber Yahoo Finance.

Laut Daten von "Carbon Credits" habe es sogar bereits 2022 einen Überschuss an Lithium in Höhe von 40'000 Tonnen gegeben, aber die Markterwartungen hätten den Preis trotzdem weiter hochgetrieben. Im Jahr 2024 dürfte sich das Überangebot laut der Webseite jedoch bis auf 100'000 Tonnen ausweiten, da noch mehr Produktionskapazitäten an den Start gehen. So werde für 2024 ein Produktionsanstieg um 35,7 Prozent erwartet. Das könnte den Preis für den Rohstoff noch weiter in den Keller drücken. Das australische Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Ressourcen erwartet laut "Mining.com" etwa, dass der Spotpreis für das Lithium-Mineral Spodumen im Jahr 2025 auf 2'200 US-Dollar pro Tonne sinken werde - verglichen mit einem geschätzten Durchschnittspreis von 3'840 US-Dollar pro Tonne im letzten Jahr. Und auch der Preis für Lithiumhydroxid, eine raffinierte Version des in Batterien verwendeten Metalls, könnte im nächsten Jahr von einem geschätzten Durchschnitt von noch 52'450 US-Dollar im Jahr 2023 auf dann etwa 30'000 US-Dollar pro Tonne sinken, so das Ministerium weiter.

"Wir befinden uns in einem weiteren Bärenmarkt", sagte Keith Phillips, CEO des Bergbauunternehmens Piedmont Lithium, gegenüber "Yahoo Finance". "Ich glaube wirklich, dass wir von der Euphorie von vor zwei Jahren zu Verzweiflung heute übergegangen sind. Jemand hat es beschrieben … als Höhepunkt des Pessimismus", so Phillips weiter. Und auch das australische Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Ressourcen prognostiziert laut "Mining.com" keine schnelle Erholung für den Lithiumpreis. "Aufgrund des prognostizierten Angebotsüberschusses wird nicht erwartet, dass die Preise vor 2025 wieder auf frühere hohe Niveaus wie im Jahr 2022 und Anfang 2023 zurückkehren", heisst es im dortigen Bericht.

Lithiumproduzenten drehen an Kostenschraube

Die grossen Akteure der Lithiumbranche haben indes bereits begonnen, auf die veränderten Marktbedingungen zu reagieren. So kündigte Piedmont Lithium Anfang Februar Kostensenkungsmassnahmen an, die unter anderem eine Stellenstreichung um 27 Prozent umfassen. Ausserdem sollen aufgrund des aktuellen Lithiumpreisumfelds das Entwicklungstempo und die Investitionsausgaben für die in Entwicklung befindlichen Projekte in den USA angepasst werden. "Diese Kostensenkungsmassnahmen sind zwar schwierig, aber notwendig, um das Unternehmen langfristig zu positionieren. Die Lithiumpreise sind stark gefallen und der Marktkonsens ist derzeit negativ", wird Piedmont Lithium-CEO Keith Phillips in einer Pressemitteilung zitiert. "Ankündigungen von Kapazitätskürzungen und Verschiebungen neuer Projekte sind in letzter Zeit an der Tagesordnung und werden wahrscheinlich noch häufiger", so Phillipps weiter.

Tatsächlich hat auch der Branchen-Primus Albermarle angekündigt, Stellen zu streichen und die Ausgaben bei einem grossen Projekt zu kürzen. "Bei den heutigen Preisen werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für neue Greenfield-Projekte, insbesondere im Westen, nicht unterstützt", so Albemarle-CEO Kent Masters laut "Yahoo Finance". Er gehe allerdings davon aus, dass die heutigen Preise nicht nachhaltig seien, sagte Masters laut "Oilprice.com" im Februar im Rahmen der Bilanzvorlage zu Analysten. Die Preise lägen derzeit "unter dem operativen Cash-Bestand einiger Vermögenswerte, die derzeit in Betrieb sind. Und sie liegen definitiv unter dem Reinvestitionsniveau", so Masters.

Optimistische Prognosen für langfristige Preisentwicklung

Nicht nur Albemarle-CEO Kent Masters ist zuversichtlich für eine zukünftige Preiserholungen bei Lithium. Die gesamte Branche scheint trotz der aktuell herausfordernden Lage optimistisch nach vorne zu blicken. "Wie man im Bergbaugeschäft sagt: 'Die Lösung für niedrige Preise sind niedrige Preise'", wird etwa auch Piedmont Lithium-CEO Keith Phillips in der Pressemitteilung des Unternehmens zitiert. "Lithium war im letzten Jahrzehnt ein zyklisches Geschäft, bei dem auf Preistiefs an den Märkten im Allgemeinen neue Rekordhöhen folgten. [...] Bei den heutigen Lithiumpreisen und Aktienbewertungen dürfte die Entwicklung neuer Projekte für alle eine Herausforderung darstellen, und wenn die Märkte für Elektrofahrzeuge weiter wachsen, dürfte eine weitere Phase der Lithiumknappheit folgen", so Phillips weiter.
Wie "Yahoo Finance" unter Berufung auf Analysten und Branchenvertreter berichtet, werde allgemein angenommen, dass sich der Markt für Elektroautos in Zukunft wieder erholen wird - vor allem, wenn die US-Notenbank Fed im Laufe des Jahres mit Zinssenkungen beginne. Laut dem Nachrichtenportal erwarten etwa die Experten der Investmentbank Goldman Sachs, dass bis 2035 rund die Hälfte der weltweiten Neuwagenverkäufe auf E-Autos entfallen werden. Das würde auch eine wieder steigende bzw. anhaltende Nachfrage nach Lithium mit sich bringen.

Die Verschiebung neuer Angebotsentwicklungen angesichts der niedrigen Preise schaffe die Voraussetzungen für die nächste Versorgungskrise bei Lithium im Laufe dieses Jahrzehnts, heisst es auch bei "Oilprice.com" unter Berufung auf Führungskräfte aus der Branche und Analysten. Letztere würden davon ausgehen, dass die Phase des Überangebots und der niedrigen Ölpreise noch bis 2026 anhalten und somit den Lithiumpreis belasten werde, langfristig werde die Lithiumnachfrage jedoch zunehmen. "Vielleicht werden wir 2027, 2028 wieder zu [Angebots-]Defiziten zurückwechseln", zeigte sich auch CRU-Analyst Frank Nikolic gegenüber "Yahoo Finance" zuversichtlich.

Redaktion finanzen.ch


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